ESC 2016: Mein persönlicher Blickwinkel (1/6)

Mein-Esc-2016Eurovision Song Contest 2016 – 43 Länder nehmen am Eurovision Song Contest in Stockholm teil. Einige von denen haben bereits ihre musikalischen Beiträge gewählt. Schauen wir uns diese gemeinsam an.

Was gibt es Neues in laufender ESC-Saison? Zunächst wurde das Voting gründlich geändert. Ganz einfach erklärt, jedes Land kann seinen Favoriten maximal die doppelte Punktezahl vergeben. Also, es gilt nicht mehr 50:50 Regelung sondern 100:100. Jury und Televoting haben gleiche Gewichtung bei Punktevergabe. Eigentlich wurde Jury seinerzeit zum ESC zurückgeholt, damit man Nachbarschafts- und Diaspora-Voting des Televotings etwas neutralisiert. Nun ist dieser Grund wohl ins Wasser geworfen. Jedenfalls, zunächst werden Jurys nur ihre 12 Punkte vorlesen (1 bis 10 werden automatisch auf dem Bildschirm einbetoniert), danach werden die Gesamtergebnisse des Televotings, in aufsteigender Reihenfolge, von den Moderatoren vorgelesen. Plus: Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Minus: Melodifestivalisierung des Eurovision Song Contest; ungefähr so wählt Schweden jedes Jahr seinen Melodifestivalen Gewinner. Schwamm drüber. Die Änderung ist eben da, die Kluge Köpfe der EBU-Reference Group haben es abgesegnet, und dagegen kann man nichts machen. Also, akzeptieren.

Weiteres, es haben einige Länder ihre Eurovision Song Contest Beiträge gewählt, und ich möchte mir diese Beiträge, wie jedes Jahr, in sechs verschiedenen „Mein persönlicher Bllickwinkel“ Folgen unter die Lupe nehmen. Gerne bist du eingeladen, die Beiträge mit zu kommentieren.

Eneda-Tarifa-Albanien-2016Albanien
Eneda Tarifa – Përrallë

Albanien wählte schon im Dezember 2015 seinen Eurovision Song Contest Teilnehmer, und zwar traditionell durch das „Festivali I Këngës“. Gewonnen hat Eneda Tarifa mit dem Song Përrallë. Unmittelbar nach dem „Festivali I Këngës“ kündigte Eneda an, sie wird den Song in Stockholm in englisch singen. Der englischer Titel soll Fairytale heißen.

Diesmal bringt Albanien einen ganz interessanten Song zum ESC nach Stockholm. Der ganze Song hat einen Hauch von Mystik, der Refrain ist eingängig, und bleibt im Ohr hängen. Zudem singt Eneda live ganz gut. Es bleibt natürlich zu erwarten, wie „kaputt“ der Song in englisch übersetzt und auf 3 Minuten gekürzt wird. Vielleicht gefällt mir der Song womöglich noch besser. Einzug ins Finale? Zumindest sind am Start 24 Punkte (12 Jury + 12 Televoting) aus Mazedonien sicher, denn Mazedonien tritt im selben Semifinale an.

Laura-Belgien-2016Belgien
Laura Tesoro – What´s The Pressure

Belgien einigte sich am 17. Jänner, dass Laura Tesoro das Land beim Eurovision Song Contest in Stockholm vertreten soll. Die junge Dame bekam bei der dortigen Vorausscheidung die höchste Punkte, sowohl von der Jury als auch vom Publikum, und ließ weitere fünf Kandidaten hinter sich.

Der Song, mit dem sie nach Stockholm reist, heißt What´s The Pressure. Der Song ist eine solide Dance-Nummer, und Laura singt live auch gut – sie hat sichtlich Spaß dabei. Den Erfolg von Wien (Platz 4 im Finale) wird sie mit dem Song aber nicht wiederholen. Zunächst muss sie überhaupt das Semifinale überstehen, was aber nicht ganz leicht wird. Ich persönlich hätte lieber den Song Kick The Habit in Stockholm gesehen, trotz unsicherem Gesang von Amaryllis (wusste gar nicht, dass die Blumen singen können).

Nicky ByrneIrland
Nikcy Byrne – Sunlight

Am 15. Jänner war es nach einigen Gossips eindeutig, dass Nikcy Byrne Irland beim Eurovision Song Contest 2016 vertreten wird. Den Typ, der mit vollständigen Namen Nicholas Bernard James Adam Byrne heißt, kennt man entweder als Frontmen der in 2012 aufgelösten Gruppe Westlife, oder als irischen ESC-Punktesprecher in den letzten drei Jahren.

Der Song Sunlight, mit dem Nicky nach Stockholm reißt, ist in erster Linie ein gut-tauglicher Radio Song, der sicherlich rauf und runter gespielt werden kann. Ob das in der tat passiert weiß ich es nicht, in Österreich zumindest nicht. Heißt es aber zugleich, dass ein Radiosong auch gut beim Eurovision Song Contest punkten wird? Keinesfalls. Nikcy is ein sympathischer Kerl, der Song ist nett und ich würde es Irland wünschen wieder einmal im Finale dabei zu sein.

Foto @ BTRCWeißrussland
Ivan – Help You Fly

Die Weißrussen wählten am 22. Jänner ihren Eurovision Song Contest Teilnehmer. Die gesamte weißrussische Vorausscheidung, und die Zeit danach, verlief völlig unspektakulär – ohne Skandale. Das muss ich schon loben. Die Vorausscheidung gewann Ivan (Alexander Ivanov) und zwar ganz knapp vor der Band Napoli, die wiederum eine zweite Chance bekommt, mit dem selben Song bei der polnischen Vorausscheidung am 5. März anzutreten.

So unspektakulär die Vorausscheidung war, noch unspektakulärer ist der Gewinnersong Help Me Fly. Surft man durch die die Internetforen, findet man nirgends Beachtung für den weißrussischen Beitrag. So langweilig ist er. Ob hier irgendwer die Ivans Bitte erhört, den Song nach oben zu pushen, ist mehr als fraglich. Ein Paar Punkte könnten es dennoch werden, immerhin weitere vier Ex-Russische Länder treten im selben Semifinale an.

Barei-Spain-2016Spanien
Barei – Say Yay!

Am 2. Februar wählten Spanier in einer Vorausscheidung Barei (Bárbara Reyzabál) als eindeutigen Gewinner zum Eurovision Song Contest. Och ja, mir gefällt´s auch! Endlich schicken sie einen frischen und frechen Song zum Wettbewerb, keine Experiment-Versuche, wie z.B. 2008 oder 2013. und kein Thomas G:son als schwedischer Gastkomponist. Der Song Say Yay! ist durch und durch spanisch, geschrieben von Bárbara Reyzabál, Rubén Villanueva und Víctor Púa Vívo. Ganz interessant: Spanien schickt zum ersten mal einen Song ins Rennen, im dem kein einziger spanischer Wort vorkommt.

ZOË, Foto: ORF/Milenko BadzicÖsterreich
Zoë – Loin d´ici

Wenn man es überlegt: Österreich schickt in diesem Jahr eine Sängerin ins Rennen, die letztes Jahr bei der Vorausscheidung gegen The Makemakes (0 Punkte beim ESC) verlor. Wie krass hört sich das an! Zum Glück werden die Karten jedes Jahr neu gemischt, und Zoë darf endlich Österreich beim Eurovision Song Contest in Stockholm vertreten – sie wollte es unbedingt, na bitteschön.

In Stockholm wird sie ihren zuckersüßen (vielleicht als Gesamtpaket etwas zu süß) französischen Song Loin d´ici singen. Sie selbst sagte irgendwann in einem Interview: „Wenn ich zum ESC fahren soll, dann nur mit einem französischen Song, sonst nicht.“ Schön und Gut, die Song-Sprache beim ESC darf man ja selbst bestimmen. Die eigentliche Frage ist: Gab es keine Alternative bei der Vorausscheidung?

Die Zweitplatzierte Elly hätte mit I´ll Be Arround (Bounce) auf jeden Fall den moderneren Sound gehabt, der allerdings von der Bühnenperformance lebt. Um sich an die Melodie zu erinnern, muss man sich hier wohl anstrengen. Wobei, wenn die Bühnenperformance passt, wem interessiert schon der Song.

Bei Zoë dagegen muss man gar nicht nachdenken, sie singt einfach ihren Song, und der Zuschauer kann Loin d´ici mit Leichtigkeit verfolgen. Ist das ein guter Rezept für Stockholm? Mag sein, eines muss aber geändert werden: Zum Ersten, der Bühnenauftritt – das Ganze bewegt sich zu nah am Kitsch – zum Zweiten, Zoë muss unbedingt an der Kraft ihrer Stimme arbeiten. Warum? Willst du beim ESC weiterkommen, muss du etwas anbieten, was kein Mensch vergisst! Und das ist in Verbindung Österreich – Televoting gar nicht so einfach!

Nun jetzt bist du an der Reihe, lieber Leser. Du kannst gerne deinen Urteil über diesen ersten sechs Song schreiben (ich wäre sehr neugierig auf deine Meinung), auch aber für deinen Favoriten dieser Gruppe abstimmen.

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FAN VOTING: EUROVISION SONG CONTEST 2016